31. Dezember 2013

Prosit 2014

Ein gutes, gesundes und glückliches Jahr 2014
 


Aufgenommen am 30. Dezember 2013 um 13.30 Uhr in der Abteikirche Münsterschwarzach
(Foto: Johannes Martin)

23. Dezember 2013

Gesegnete und frohe Weihnachten 2013

      

Sonnenaufgang an Weihnachten 2011 im Frankenwald
(Foto: Johannes Martin)


Es gibt so wunderweiße Nächte,
Drin alle Dinge Silber sind.
Da schimmert manchen Stern so lind,
Als ob er fromme Hirten brächte
Zu einem neuem Jesuskind.

Weit wie mit dichtem Diamantenstaube
Bestreut, erscheinen Flur und Flut,
Und in die Herzen, traumgemut,
Steigt ein kapellenloser Glaube,
Der leise seine Wunder tut.

(Rainer Maria Rilke)


Ein gesegnetes Weihnachtsfest 2013 
und ein glückliches und gesundes Jahr 2014

wünscht

Johannes Martin

Conventus Musicus



19. Dezember 2013

Karl Richter: Weitere Bezugsquelle für das Buch und eBook



Liebhaber des gedruckten Buches können diese erweiterte und aktualisierte Ausgabe auch als Softcover-Buch auf epubli.de bestellen - es wird als Print-on-Demand (gedruckt auf Anforderung) hergestellt, kostet 28,95 € plus Versand (mit Lieferadresse in Deutschland 2,95 €, also inkl. Versand 31,90 €) und als PDF-eBook für 17,99 inkl. MwSt. (im Download).

18. Dezember 2013

Joachim Kaiser zum 85. Geburtstag

Herzlichen Glückwunsch!

Am 18. Dezember 1928 wurde Joachim Kaiser in Milken, Ostpreußen geboren. Am heutigen Mittwoch feiert er seinen 85. Geburtstag. Ad multos annos!



Von 1959 war Joachim Kaiser leitender Redakteur des Feulletons der Süddeutschen Zeitung, seit dieser Zeit begleitete er die Münchner Ära Karl Richters wohlwollend, häufig begeistert, aber stets kritisch. Die erste Rezension verfasste er am 31. März 1959 über Bachs Matthäus-Passion.

Im Jahr 2001 schrieb Joachim Kaiser anlässlich des 75. Geburtstages von Karl Richter unter der Überschrift „Wie München zur Bach-Stadt wurde" noch einmal eine „Erinnerung" an den großen Dirigenten.

Im Rahmen unseres Karl Richter-Projektes gab Joachim Kaiser sein Einverständnis zur Verwendung seiner Rezensionen für unsere Arbeit. Dafür sagen wir ihm heute nochmals herzlichen Dank.

Joachim Kaiser wird 2013 vom medium magazin für sein Lebenswerk als "Journalist des Jahres" ausgezeichnet.

In ihrer Begründung für die Auszeichnung schreibt die Jury u.a.:
 Joachim Kaiser ist der Doyen der deutschen Musikkritik. Er hat Generationen von Künstlern, Kulturliebhabern und Kollegen beeinflusst. Die Redaktion und Leser der Süddeutschen Zeitung hat er mit seinen Kritiken, Essays und Beiträgen seit 1957 jahrzehntelang bereichert und ein großes Publikum weit darüber hinaus.

17. Dezember 2013

"Karl Richter in München - Zeitzeugen erinnern sich" als eBook



Wir haben getestet, ob das Buch auch als eBook (im ePub, Kindle 8 Format) möglich ist, doch die Qualitätseinbußen bei der Umwandlung von Fotos und Scans sind immens, und so haben wir uns entschlossen, auch diese erweiterte und aktualisierte zweite Auflage (nur) als eBook im PDF-Format zum Preis von 17,99 € ink. MwSt. im Download anzubieten. Bei Lieferung auf CD zzgl. 2,00 € Versandkosten (Inland).

Das PDF-eBook können Sie direkt beim Verlag Conventus Musicus oder über das Kontaktformular auf dieser Seite beziehen.

Zeitzeugen Preview: Karl Richter in Muenchen 1951 - 1981 | Zeitzeugen erinnern sich

13. Dezember 2013

Limitierte Neuauflage: 75 Bach-Kantaten mit Karl Richter

Klassik-Akzente veröffentlicht heute Karl Richters Bach-Kantaten-Zyklus: 75 Kantaten auf 26 DCS



Der legendäre Gesamtzyklus mit 75 Kantaten zu allen Sonn- und Feiertagen des Kirchenjahres (26 CDs) wird am heutigen 13. Dezember 2013 bei Klassik-Akzente veröffentlicht.

Die 26CD-Box ist in limitierter Auflage im Handel und unter anderen auch bei Amazon erhältlich. 



Im Rahmen dieser Neuauflage wird eine eigene Box mit 14 Kantaten auf 4 CDs zu Advent und Weihnachten extra angeboten.

Die Box enthält die Kantaten BWV 61, 132, 63, 121, 64, 28, 171, 58, 65, 124, 13, 111, 81, 82. Die CD-Box ist ebenfalls im Handel und auch bei Amazon erhältlich.

12. Dezember 2013

Karl Richter vor 50 Jahren



In diesen Tagen vor genau 50 Jahren dirigierte Karl Richter einige bemerkenswerte Konzerte in Winterthur, Salzburg und München.

Am 11. Dezember 1963 leitete Richter ein Abonnementskonzert in Winterthur mit Werken von Bach, Mozart und Beethoven. In der Kantate BWV 51 "Jauchzet Gott in allen Landen" sang die erst 25jährige Edith Mathis die Solopartie. Neben Mozarts Sinfonie A-Dur KV 201 stand Beethovens 7. Sinfonie A-Dur op 92 auf dem Programm, wohl das einzige Mal in seiner Karriere.



Heute genau vor 50 Jahren wurde mit Bachs Weihnachtsoratorium, Teil I, eine Tradition eröffnet, die Karl Richter und seine Ensembles alljährlich am Samstag vor dem zweiten Adventssonntag nach Salzburg in das Große Festspielhaus führte. Diese Konzerte waren für den Münchener Bach-Chor und das Bach-Orchester bis zum allerletzten Auftritt 1980 stets der musikalische Höhepunkt der Vorweihnachtszeit.






Fotos, Konzertprogramme und Kritiken sind dem Band 2 der "Karl Richter - Zeitdokumente" (erschienen 2010 bei Conventus Musicus) entnommen.

5. Dezember 2013

Zum 8. Todestag der Sopranistin Ursula Buckel



Am 5. Dezember 2005 verstarb in Genf die Sängerin Ursula Buckel. Sie war Karl Richters bevorzugte Sopranistin in den Jahren 1959 - 1969. Wir haben Ursula Buckel bereits im vergangenen Jahr ausführlich gewürdigt. Den Beitrag finden Sie hier...

Im Folgenden möchte ich einige bisher unveröffentlichte Fotos präsentieren, die uns Ursula Buckel am 31. August 2004 bei unserem letzten Besuch in Genf zeigte.



Ursula Buckel im Jahr 1950



Ursula Buckel im Jahr 1959 bei der Bachwoche Ansbach



Ursula Buckel im Jahr 1961 bei der Bachwoche Ansbach



Ursula Buckel im Jahr 1964 - zusammen mit Peter Pears - bei der Bachwoche Ansbach



Ursula Buckel im Jahr 1966 in Turku/Finnland (Messe h-moll) - die weiteren Solisten waren Horst Wilhelm (Tenor), Kieth Engen (Bass) und - nicht mehr zu sehen - Hertha Töpper (Alt)



Ursula Buckel im Jahr 1966 in der Basilika Weingarten (Messe h-moll) - die weiteren Solisten waren Marie Luise Gilles (Alt), John van Kesteren (Tenor) und Kieth Engen (Bass)



Ursula Buckel im Jahr 1967 auf der Konzertreise nach Italien und in die Schweiz

3. Dezember 2013

Kantatenzyklus mit Karl Richter neu aufgelegt



Im Rahmen einer Neuauflage des Kantatenzyklus mit Karl Richter, dem Münchener Bach-Chor und Bach-Orchester wird die erste Box mit 14 Kantaten auf 4 CDs zu Advent und Weihnachten preisgünstig extra angeboten.

Die Box enthält die Kantaten BWV 61, 132, 63, 121, 64, 28, 171, 58, 65, 124, 13, 111, 81, 82. Die CD-Box ist unter anderen bei Amazon erhältlich.




Der Gesamtzyklus mit 75 Kantaten zu allen Sonn- und Feiertagen des Kirchenjahres (26 CDs) erscheint als günstiges Angebot am 13. Dezember 2013. Vorausbestellung mit Preisgarantie bei Amazon ist empfehlenswert.

26. November 2013

Karl Richter - Buch-Dokumentation

Überarbeitete, erweiterte Auflage - in Kürze als eBook 



Im Jahr 2005 haben wir mit der Buch-Dokumentation "Karl Richter in München - Zeitzeugen erinnern sich" das Karl Richter Projekt eröffnet. Es folgte die gleichnamige Film-Trilogie auf DVD, den Abschluss bildeten die sieben Bände der "Karl Richter- Zeitdokumente".

Das Buch (2005, ISBN 9783000168642) im Format 20 cm x 20 cm beinhaltet auf 276 Seiten - mit 370 Fotos (schwarz-weiß) aus den Archiven der Zeitzeugen - die vollständigen Interviews und Beiträge von 36 Zeitzeugen (u.a. Claes H. Ahnsjö, Hermann Baumann, Ursula Buckel, Dietrich Fischer-Dieskau, Kieth Engen, Antonia Fahberg, Johannes Fink, Peter-Lukas Graf, Ernst Haefliger, Julia Hamari, Kurt Hausmann, Karl-Christian Kohn, Horst Laubenthal, Paul Meisen, Edda Moser, Aurèle Nicolet, Siegmund Nimsgern, Anna Reynolds, Lotte Schädle, Elmar Schloter, Peter Schreier, Kurt-Christian Stier, Hertha Töpper, Friedemann Winklhofer), eine ausführliche Würdigung von Leben und Wirken Karl Richters sowie eine Chronik wichtiger Daten des Münchener Bach-Chores der Jahre 1951-1981.

Die gedruckte Auflage neigt sich langsam dem Ende zu, und so haben wir die Erstauflage überarbeitet und erweitert, sie wird in Kürze als eBook (PDF) neu aufgelegt.


Wer noch ein gedrucktes Exemplar der Dokumentation von 2005, die Joachim Kaiser, der Kulturkritiker der Süddeutschen Zeitung, im November 2005 als Buchempfehlung in die Weihnachtsliste der SZ aufgenommen hatte, erwerben will, sollte jetzt das Buch zum Preis von 19,80 (einschl. Versandkosten) direkt bei Conventus Musicus per E-Mail (cm@conventus-musicus.de) bestellen - solange der Vorrat reicht!

26. Oktober 2013

Die Sängerin Edda Moser wird 75

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!



Edda Moser beim Interview am 26. Juli 2004 in ihrem Haus in Rheinbreitbach

Die Sopranistin Edda Moser wurde am 27. Oktober 1938 in Berlin geboren.

Zum Leben und Wirken von Edda Moser

Christoph Willibald Gluck, Orfeo ed Euridice, mit Edda Moser als Amore, Leitung: Karl Richter

Discografie bei Amazon



Edda Moser im August 1967 bei der Schallplattenaufnahme von Glucks Orfeo ed Euridice
(Foto: privat)

Edda Moser über das Phänomen "Karl Richter"

...Ich stamme aus einem Haus, in dem die Bachtradition sehr gepflegt wurde. Ich bin auch in Weimar aufgewachsen oder, besser gesagt, in Sachsen und Thüringen. Ich habe von Anfang an eine Selbstverständlichkeit für Bach gehabt. Die Erziehung meiner Eltern war so, dass ich auch mit dieser Selbstverständlichkeit die Phrasierung gemacht habe, die Appoggiaturen (Vorschläge) oder wie welches Tempo, dass es nicht zu schnell war, oder auch die Koloraturen. Es gab keine Diskussionen, Richter fing an und ich folgte. Es war nicht nur ein sich miteinander Verständigen, sondern wir haben beide die Musik gemacht, und da war nie ein Zweifel. Nun war ich auch flexibel, ich wusste, ob die Koloratur nun schneller oder langsamer sein sollte. Und ich hatte nie das Gefühl, o Gott, ich komme nicht mit, oder so etwas. Richter hatte da eine ganz große Natürlichkeit in der Tempoangabe. Da hatte ich nie irgendwelche Probleme. 



Edda Moser im Juli 1969 in Ansbach (Foto: privat)

Karl Richter lebte in seiner großen Ruhe und in seinem Nichtbetonen. Ich denke immer, im Himmel gibt es keine Betonungen - und Richter war der Himmel. Er verströmte eine große Ruhe, und wenn er einmal so eine Bewegung machte, dann war es das eben. Wenn ich denke, das Theater, was diese Dirigenten heute alle machen, um ein Forte raus zu kitzeln, dass einem nur übel werden kann, wenn man eben vergleicht, mit wie wenigen, sparsamen Bewegungen Richter den Himmel geöffnet hat.



Edda Moser und Karl Richter im Oktober 1970 in Paris - Haydns Schöpfung - (Foto: privat)

Ich glaube, er hat lauter Leute genommen, denen er musikalisch nicht zu helfen brauchte. Er musste einen nur anschauen, gab den Einsatz und sagte höchstens mal „misterioso", und das war's dann auch schon. Und dann kam eben das, was er sich erwartet hatte. Wenn Richter korrigieren oder irgend etwas sagte musste, da hat dann schon etwas nicht gestimmt.



Edda Moser und Karl Richter im Oktober 1970 in Paris - Haydns Schöpfung - (Foto: privat)

Bei Richter musste man einfach strömen. Da war eine Glut, da war der volle Körper, der gesungen hat, und nicht wie heute eben, dass die Stimmen nur halb zur Verfügung stehen. Er wollte immer gern Opernstimmen haben, die richtig voll losgelegt haben. Und die eben klagen konnten und jubeln und leiden und im Singen lachen und fröhlich sein konnten. Und tiefste Trauer, das alles wünschte er. Und wer ihm das gab, der war bei ihm in Abrahams Schoß. 



Edda Moser und Karl Richter im Oktober 1970 in Paris - Haydns Schöpfung - (Foto: privat)

Ich weiß nicht, ob man dieses Phänomen Karl Richter erklären kann, ich glaube es nicht. Richter zu erkären, ist immer nur die Hälfte. Er hatte eine besondere Art an sich, auch von einer großen Erotik. Er hatte eine ungeheure Erotik, wie er zum Beispiel einen Akkord spielte. Er saß ja immer selbst am Cembalo, und wie da etwas wuchs, das war eben so aufregend. Man war einfach platt über das, was da kam. Wenn man da andere Vorstellungen gehört hatte mit anderen Dirigenten, wenn bei Richter eben das Entsetzen wuchs oder die Seligkeit oder die Sehnsucht. Das war bei ihm in einer so romantischen Weise ausgedrückt. Das ist gar nicht zu vergleichen.



Edda Moser im Jahr 1971 (Foto: privat)

Edda Moser über ihr Repertoire bei Karl Richter

Ich habe gar nicht so viel Bach mit ihm gemacht, ja, Beethoven Missa Solemnis, Elias von Felix Mendelssohn Bartholdy in Ottobeuren und Dvorak Stabat Mater, also Sachen, die im Grunde genommen noch ein bisschen mehr Opernaplomb brauchten. Und da hat er mich eben für diese Partien engagiert. Natürlich habe ich auch Matthäus-Passion, Johannes-Passion, Weinachtsoratorium und h-moll-Messe mit Richter, hauptsächlich in München, gesungen. Aber wir waren eben auch mehrmals im Ausland, in Paris, in Südamerika. Das hat mich geprägt und auch sehr anspruchsvoll gemacht, so dass ich nach dem Tod von Richter nie wieder Bach gesungen habe. Das war nicht mehr möglich.



Edda Moser im Jahr 1974 - Mendelssohn, Elias, in der Basilika Ottobeuren - (Foto: privat)

In Ottobeuren schließlich immer über 3000 Menschen und keine Presse, weil er eben auch ein etwas gestörtes Verhältnis zur Presse hatte. Er sagte ja immer, er lese keine Presse, und dann sah man, wie ihm aus der Tasche die Zeitungen herausragten. Darum hat man ihn auch nicht weiter darauf angesprochen. Aber in Ottobeuren, in bayrischen Landen, war es möglich, diese Musik zu machen. Da brauchte keine Presse dabei zu sein, und das machte es für uns alle leichter. Wir haben dadurch auch befreit gesungen. Angst hatte man natürlich, dem musikalischen Anspruch nicht zu genügen, aber man war ja so beflügelt. Man wusste, er ließ einen singen. Wenn da einer ein schönes Piano sang, dann ließ er einen eine Fermate machen, so lange wie man wollte. Und er konnte sich auf uns verlassen, wir haben niemals die Geschmacksgrenzen übertreten.



Edda Moser mit Leonard Hokanson bei einem Liederabend (Foto: privat)



Edda Moser mit Leonard Bernstein (Foto: privat)



Das gesamte Interview findet sich in der
Buch-Dokumentation "Karl Richter in München - Zeitzeugen erinnern sich" und ist in deutscher und englischer Sprache auf dem Karl Richter-Archiv abrufbar.

Das komplette Interview in Bild und Ton, aus dem dieser Videoclip stammt, gibt es auf DVD.

18. Oktober 2013

Der Flötist Paul Meisen wird 80

Herzlichen Glückwunsch zum 80. Geburtstag!



Paul Meisen, zusammen mit Aurèle Nicolet Karl Richters bevorzugter Soloflötist im Münchener Bach-Orchester, aber auch in der Kammermusik, wurde am 19. Oktober 1933 in Hamburg geboren.

Zum Leben und Wirken von Paul Meisen

Paul Meisen, Otto Büchner und Karl Richter auf DVD in Bachs Brandenburgischem Konzert Nr. 5

Discografie bei Amazon



Paul Meisen Mitte der 1960er Jahre

Schon in frühen Jahren fühlte sich Paul Meisen in besonderem Maße dem pädagigischen Wirken verpflichtet. Es sagte uns im Interview am 15. Juni 2005 in seinem Haus in Gerolsbach/Obb. u.a.:

...Die Dinge haben sich bei mir organisch entwickelt. Entweder meine Orchesterlaufbahn hätte weiter nach oben gehen können oder müssen, ich war hauptsächlich Soloflötist im Philharmonischen Staatsorchester Hamburg. Es gab Kontakte zu den Berliner Philharmonikern, es gab auch bereits Gespräche mit der Detmolder Musikhochschule. Ich war damals Ende 30, für ein Orchester als Musiker nicht mehr ganz jung, für einen Pädagogen noch sehr jung. Da habe ich überlegt: Mich jetzt zu den Berlinern zu drängeln, das würde doch bedeuten, mich noch einmal unterordnen zu müssen. Inzwischen war mein Gefühl aber so, ich möchte mich nicht mehr so viel unterordnen. Ich möchte nun selber etwas bewirken. Dann habe ich mich entschieden, den pädagogischen Weg zu gehen, nach Detmold. Das habe ich nie bereut, auch wenn ich diese und jene Brahms-Sinfonie ganz gern noch mal gespielt hätte.



Paul Meisen und Aurèle Nicolet beim Bachfest Ansbach 1961

Aber zwei Dinge haben mir besonders geholfen in der Erinnerung an die Orchesterzeit. Bei der Bach-Interpretation war für mich Karl Richter maßgebend. Er hat mir den Mut gegeben, Bach zu interpretieren, zu spielen, auch aus dem Bauch heraus, aber auch aus der Analyse heraus. Von daher habe ich ein besonderes Verhältnis zu Bach gehabt, entwickelt als Spieler und auch als Pädagoge.



Paul Meisen und Otto Büchner in Siegerpose beim Bachfest Ansbach 1961

In meiner Orchesterzeit war natürlich der Orchesterkonzert-Teil sehr wichtig, aber ich war ja in einem Doppelfunktionsorchester, das sowohl Oper als auch Konzert gemacht hat. Da ist für mich eine unerschöpfliche Erinnerungsquelle die Arbeit in der Oper mit den Sängern. Also für Bach die Arbeit mit Karl Richter, als Basis meines pädagogischen Wirkens, und ansonsten die Intuition über die Sänger, mehr als über die reine Konzertliteratur.

Dieses alles hat dazu geführt, dass ich von Detmold über München, wo ich 15 Jahre an der Musikhochschule war, bis nach Tokio und wieder zurück gekommen bin. Das ist ein großer Bogen, unlösbar mit Karl Richter verbunden und unlösbar mit meiner Operntätigkeit.



Paul Meisen im Jahr 1969

Paul Meisen über die Japan-Tournee 1969

... Die Japan-Tournee 1969 war sicherlich der Höhepunkt. Beeindruckt waren wir ja auch von der Wechselwirkung von Podium aus, Karl Richters Ausstrahlung, aber auch die Wechselwirkung vom Publikum her. Es soll, und ich glaube, das ist auch richtig, die erste ungekürzte Fassung der Matthäus-Passion gewesen sein, die in Japan erklungen ist. Und wir erinnern uns an den wunderschönen großen Saal Bunka Kaikan, voll bis auf den letzten Platz, und das Publikum hatte die Texthefte vor sich. Sie verfolgten alle einzeln den Text in Deutsch. Und sie blätterten alle um, wir spürten, dass alle umblätterten, wir hörten aber kein Geräusch, die Konzentration war so faszinierend. Das war vielleicht die beeindruckendste Matthäus-Passion meines Lebens. Diese Geschlossenheit, diese Einheit zwischen Hörern und Spielern, da ging kein Blatt dazwischen, das war ein Ganzes. Für mich war es das unvergessendste und unvergesslichste Erlebnis der Matthäus-Passion.



Paul Meisen im Jahr 1970

Paul Meisen über Interpretation, Artikulation und Tempo bei Karl Richter

Richter war ja nicht im üblichen Sinn ein Dirigent. Man konnte nicht sagen, dass er ein Taktstockvirtuose war. Im Grunde kam seine Interpretation aus seinem Innersten. Und auch wenn die Dirigierbewegungen gar nicht immer übereinstimmten, die Übereinstimmung mit seinem Inneren war immer gewährleistet, das war etwas Geheimnisvolles. Man merkte auch, wenn es nur die geringste Abweichung gab, ein Sechzehntel oder Zweiunddreißigstel, dass er sofort reagierte. Sein inneres Bild war so stark, dass es sich auf seine Interpretation unmittelbar auswirkte. Ich glaube, er hätte gar nicht zu dirigieren brauchen. Und dass er die großen Passionen, auch die h-moll-Messe, so auswendig beherrschte, dass er auch vom Cembalo her in den Rezitativen Note für Note in seinem Inneren gespeichert hatte, das alles machte ihn zu einer unglaublich charismatischen Figur.

Bei ihm hat man erst einmal einen Begriff von Artikulation bekommen. In der Zeit, in der ich meine wesentlichen Orchestererfahrungen machte, das war ja eigentlich die Blüte und das Ende der Zeit des romantischen Orchesterklanges, hat man im Orchester nicht so deutlich artikuliert. Obwohl er eigentlich ein romantischer Bachinterpret war, hat er uns doch sehr klar gemacht, wie eine Artikulation zu sein hatte, und er hat auch beklagt, dass Orchestermusiker von Natur aus so wenig artikulieren können.

Aber was ich auch noch bei ihm gelernt habe, was sich mir eingeprägt hat, das ist seine Beziehung zum Tempo gewesen. Ich habe bei ihm begriffen: Wenn man ein langsames Tempo wählt, dann muss es von innen heraus schnell gespielt werden. Und wenn man ein schnelles Tempo wählt, dann kann man es von innen heraus langsam spielen. Diese Ambivalenz ist mir bei ihm bewusst geworden und hat mich eigentlich ein Leben lang begleitet und geprägt, auch später dann in meiner Pädagogik.



Paul Meisen im Interview am 15. Juni 2005 in Gerolsbach/Obb.




Das gesamte Interview findet sich in der
Buch-Dokumentation "Karl Richter in München - Zeitzeugen erinnern sich" und ist in deutscher Sprache sowie in der englischen Übersetzung auf dem Karl Richter-Archiv abrufbar.

Das komplette Interview in Bild und Ton, aus dem dieser Videoclip stammt, gibt es auf DVD.

14. Oktober 2013

Karl Richter zum 87. Geburtstag



Karl Richter kam am 15. Oktober 1926 als viertes von fünf Kindern des Pfarrers Dr. Christian Johannes Richter und Clara Hedwig Richter, geb. Facilides, in Plauen im Vogtland zur Welt. 

 


Laut Geburtsurkunde erhielt er die Namen Karl Felix Johannes.




Das Geburtshaus Karl Richters  am Schlossberg 10 a in Plauen



Seit Juli dieses Jahres erinnert eine Gedenktafel an den berühmten Sohn der Stadt

Es gibt von Karl Richter nicht viele Filmsequenzen, die ihn live erleben lassen. Er war kein Freund von Studio-Produktionen, weder für die Schallplatte und schon gar nicht für das Fernsehen.

Etliche Filmaufnahmen (ohne Ton) aus den 1950er und 1960er Jahren verdanken wir Heinz Geisel, dem langjährigen Geschäftsführer des Münchener Bach-Chores. Der Vorspann zur Film-Trilogie zeigt Karl Richter auf verschiedenen Konzertreisen.

Wirklich live erleben kann man Karl Richter in Friedrich Müllers Film "Karl Richter und sein Münchener Bach-Chor" aus dem Jahr 1967. Hier drei Ausschnitte aus diesem 45-minütigen Film:

Ausschnitt 1
Ausschnitt 2
Ausschnitt 3

Link zum Blogeintrag anlässlich des 82. Geburtstages von Karl Richter

1. Oktober 2013

Neu im Karl Richter Archiv: Die Interviews der Zeitzeugen



Das Karl Richter Archiv ist um eine neue Seite reicher. Alle Interviews mit den Zeitzeugen der Ära Karl Richters aus der Buch-Dokumentation "Karl Richter in München - Zeitzeugen erinnern sich" sind in deutscher Sprache und teilweise auch schon in der englischen Übersetzung abrufbar. Bei den meisten Zeitzeugen gibt es zusätzlich Videoclips von den Interviews. Die kompletten Interviews sind auf DVD verfügbar.

In den kommenden Wochen werden alle 21 Videoclips - mit den entsprechenden Links - an dieser Stelle zu sehen sein.

27. September 2013

Otto Büchner zum 5. Todestag



Am 28. September 2013 jährt sich der Todestag des Geigers und kongenialen Partners von Karl Richter zum fünften Mal.



Nachruf im Münchner Merkur und in der SZ



Otto Büchner als Konzertmeister der Schallplattenaufnahme von Bachs Matthäus-Passion im Jahr 1958



Otto Büchner und Karl Richter bei der Bachwoche Ansbach 1961



Otto Büchner mit Karl Richter und Aurèle Nicolet bei der Bachwoche Ansbach 1961



Otto Büchner und Aurèle Nicolet bei der Bachwoche Ansbach 1961



Otto Büchner und Karl Richter bei der Bachwoche Ansbach 1961



Otto Büchner und Karl Richter bei der Bachwoche Ansbach 1961



Otto Büchner und Ursula Buckel bei der Bachwoche Ansbach 1961



Sportliche Aktivitäten von Otto Büchner und Paul Meisen bei der Bachwoche Ansbach 1961



Otto Büchner auf Konzertreise mit Bach-Chor und Bach-Orchester nach Italien und in die Schweiz im Jahr 1967



Otto Büchner übt im Zug auf der Konzertreise nach Italien und in die Schweiz im Jahr 1967



Otto Büchner spielt die Violine mit seinem Rundbogen



Dank des Tipps eines ehemaligen Bach-Chor-Sängers konnten wir in Erfahrung bringen, dass die legendäre Schallplattenaufnahme Otto Büchners mit den beiden Bach-Partiten d-moll (BWV 1004) und E-Dur (BWV 1006), auf dem Rundbogen gespielt, im Jahre 1993 auf CD übernommen wurde und zur Zeit immer noch greifbar ist. Für den heutigen Gedenktag habe ich ein kleines Kontingent hiervon geordert und darf dieses CD-Dokument allen Verehrern des Violin-Spiels von Otto Büchner als sein bleibendes Vermächtnis empfehlen.

Anfrage und Bestellung über Conventus Musicus per E-Mail
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